I Heart Pluto

Kunst, Film, Fotografie, Popkultur

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Nach zwei eher unbeeindruckenden Filmen, hatte das Internationale Filmfest Oldenburg gestern doch noch eine Überraschung parrt. Und zwar in Form des Gefängnisfilms Picco, der ja bereits in Cannes für Aufsehen gesorgt hat und bei uns am 25. November in Kinos kommt.

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Der Film basiert auf einem Vorfall in der Justizvollzugsanstalt Siegburg, bei dem im November 2006 ein 20 Jähriger Insasse von seinen Zellengenossen über mehrere Stunden gefoltert, vergewaltigt und schließlich getötet wurde.

Protagonist ist der junge Kevin (Picco). Erst vor kurzem ist er in die JVA gekommen und muss deshalb allerlei Schikanen über sich ergehen lassen. Mit drei weiteren Jugendlichen teilt er sich eine Zelle. Im Laufe des Films beginnt er sich an seine neue Umgebung anzupassen und gegen die Erniedrigungen seiner Mithäftlinge zu wehren, bleibt aber dennoch ein schwaches Glied in der Kette, weshalb er bald vor die Wahl gestellt wird entweder Opfer oder Täter zu sein.

Die Inhaltsangabe mag sich zwar erstmal nicht sehr prickelnd anhören, aber hinter ihr verbirgt sich ein Film, der es mit nur wenigen, präzisen Handgriffen schafft einem den Magen umzudrehen. Er spielt auf geringstem Raum, verzichtet ganz auf einen Soundtrack und das Schlimmste spielt sich natürlich wie immer im off ab. Es ist gerade diese minimalistische Herangehensweise, die ihm eine solche Schlagkraft verleiht.

Was mich deshalb an dem Film besonders fasziniert hat ist seine ungewöhnlich starke Emotionalität. Mit geringstem Aufwand schafft es Picco einen in das Geschehen mit einzubeziehen, was letztlich dazu führt, dass man als Zuschauer im letzten Drittel einfach nur noch bettelt, dass jemand den Alarmknopf drückt (nicht wenige Zuschauer haben die Vorstellung übrigens vorzeitig verlassen). Des Weiteren gelingt es HFF-Absolvent Philip Koch erstaunlich gut die Rollendynamik unter den Insassen darzustellen. Jeder kann Opfer und Täter werden, eine andere Wahl gibt es nicht.

Wenn Picco am 25. November in die Kinos wird er hoffentlich eine Diskussion auslösen. Denn wie die Vorfälle in Siegburg und anderen Justizvollzuganstalten zeigen, ist das Dargestellte eben nicht nur Fiktion. Ein abschließendes Fazit möchte ich mir hier aber dennoch verkneifen. Picco ist nach dem ersten Sehen so emotional überwältigend, dass eine ansatzweise rationale, durchdachte Wertung in meinen Augen nicht möglich ist.

Letzte Kritik: Smash his Camera

3 Comments

  1. Filmfest Oldenburg 2010: Monsters | I Heart Pluto on September 21, 2010 1:58 pm Reply to this comment

    [...] Bisherige Kritiken:  Smash his Camera, Picco [...]

  2. Filmfest Oldenburg 2010: Zusammenfassung - The Good, The Bad and The Meh | I Heart Pluto on September 22, 2010 8:47 pm Reply to this comment

    [...] Picco: Bester Film des Festivals. Mitreißend, brutal, einfach eine Wucht. Kritik hier. [...]

  3. Trailer zu Picco | I Heart Pluto on Dezember 31, 2010 2:58 pm Reply to this comment

    [...] beeindruckensten Film den ich dieses Jahr sehen durfte. Meine “Kritik” zum Film gibts hier. [...]

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