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Kunst, Film, Fotografie, Popkultur

Archiv der Kategorie ‘ Filmfest Report ’

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So, hier jetzt der wirklich letzte Artikel zum Internationalen Filmfest Oldenburg 2010. Nachdem ich die Highlights der einzelnen Tage ja bereits in eigenen Beiträgen hervorgehoben hab, möchte ich jetzt nochmal alle Filme kurz zusammenfassen, insbesondere die, die ich noch nicht erwähnt habe.

Tage 1

(1) House of Branching Love: Neuer Film Mika Kaurismäki (Bruder von Aki Kaurismäki). Ein Ehepaar will sich scheiden lassen, muss jedoch noch einige Tage zusammen im gemeinsamen Haus verbringen bis dieses verkauft ist. Mit Scheinpartnern versuchen sie den jeweils anderen eifersüchtig zu machen. Altbekannte Geschichte (das Ende dürfte jedem klar sein) und gewohnt trockener skandinavischer Humor. Ganz lustig, aber absolut nichts Besonderes. [Meh]

(2) Last Picture Show: Auf Last Picture Show hatte ich mich sehr auf gefreut. Da der Film  bei der Projektion ganze 4 Mal gerissen ist und damit auch immer Stellen übersprungen wurden, kann ich jetzt leider nicht wirklich davon sprechen ihn gesehen zu haben. Die Wertung muss deshalb entfallen. [-]

(3) Smash His Camera: Sehr gut. Kritik hier. [Good]

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Nachdem der letzte Tag des Internationalen Filmfest Oldenburg mit einer extremen Gurke begonnen hatte, gabs dann am Abend doch noch einen ordentlichen Film zu sehen. Und zwar den von mir heiß erwarteten Room in Rome.


Wer sich Room in Rome ansieht, muss sich einer wichtigen Sache bewusst sein: Der Film fällt definitiv in die Kategorie des Erotikfilms. Wer bei Sexszene eher weg als hin hinsieht, ist hier auf jeden Fall fehl am Platz. Gefühlte 60% des Films bestehen nämlich aus (zugegebenermaßen toll fotografierten) Aufnahmen der beiden Protagonistinnen beim Liebe machen.

Die Story lässt sich deshalb auch schnell zusammenfassen. Die Spanierin Alba und Russin Natasha treffen sich zufällig in Rom und verbringen eine gemeinsame Nacht in einem Hotel. Ohne viele Worte zu verlieren kommen sie dort auch gleich zur Sache. Im Laufe des Films beginnen sie sich dann jedoch immer stärker für mehr als nur den Körper des anderen zu interessieren. Schon bald werden Lügen und falsche Identitäten aufgedeckt.

Weiß man was einen erwartet, funktioniert das Konzept von Room in Rome ausgesprochen gut. Auf der einen Seite hat man wunderschön festgehaltene Liebesszenen und auf der anderen, weil das eben nicht genug ist, um über 1 1/2 Stunden die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu halten, noch das Spiel mit den Identitäten. Hinzu kommt der wirklich wunderbare Soundtrack, dessen Theme Song Loving Strangers immer wieder anklingt.

Nichtsdestotrotz fehlt es Room in Rome an dem letzten entscheidenden Etwas, um ganz überzeugen zu können. Der Film ist zwar ungewöhnlich sinnlich, wirklich gut fotografiert und auch die Schauspielerinnen können überzeugen (für mich persönlich eigentlich die perfekten Zutaten für einen guten Film), doch letztlich haperts einfach am Drehbuch. Im Vergleich zu Filmen wie z.B. Before Sunset bleiben die Charaktere einfach nicht hängen und die Geschichte wirkt am Ende sogar fast schon belanglos. In meinen Augen liegt das unter anderem daran, dass der Film mit zu vielen Sexszenen arbeitet. Spätestens nach dem dritten Mal kann man sich als Zuschauer nicht mehr dafür begeistern und wünscht sich eher mehr bzw. Tiefsinnigeres über die Protagonistinnen zu erfahren.

Deshalb das Fazit: Unterhaltsam und schön anzusehen, aber nicht tief genug, um hervorragend zu sein. Trailer gibts hier.

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Bisherige Kritiken:  Smash his Camera, Picco, Monsters

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Auch wenn das Festival nun vorbei ist (gewonnen hat, wie prophezeit, Picco), wirds von mir hier in den nächsten Tagen noch den ein oder anderen Artikel zu dem ein oder anderen Film geben. Wie sich herausgestellt hat, gab es pro Tag immer genau einen sehr guten Film. Nach Smash His Camera und Picco war es am dritten Tag der SciFi-Film Monsters.


Eine Raumsonde stürzt über Mexiko ab und bringt damit außerirdisches Leben auf die Erde. 6 Jahre nach dem Ereignis haben sich riesige Krabben/Tintenfisch-ähnliche Aliens in einem großen Areal zwischen Mexiko und den USA ausgebreitet, der infected zone. Der junge Fotograf Kaulder erhält den Auftrag die verletzte Tochter seines Chefs zurück in die Vereinigten Staaten zu bringen. Als alle anderen Wege scheitern, sehen sich die beiden gezwungen durch die infizierte Zone zu gehen. Auf dem Weg kommen sich beide langsam näher.

Monsters ist wie eine Mischung aus District 9 und Cloverfield mit einem Fokus auf Atmosphäre statt Action. Wie Regisseur Gareth Edwards selbst hervorgehoben hat, war das Ziel der Produktion den bisher realstischsten Monsterfilm zu drehen. Und das ist ihnen meiner Meinung nach auch gelungen. In Monsters passiert nicht besonders viel, aber dafür kann man sich wunderbar in das gesamte Setting und die Umgebung hineinfühlen.

Wie bei District 9 und im Gegensatz zu Cloverfield tritt nämlich bei Monsters eine Bedrohung nicht erst zum ersten Mal auf, sondern ist bereits allgegenwärtig. Das macht den Reiz dieser Geschichte aus. Die Menschen leben seit sechs Jahren neben den Aliens und verhalten sich dementsprechend. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine Spannung aufkommt. Die Spannug entsteht nämlich dadurch, dass die Gegenwart der Außerirdischen wie ein bedrohlicher Schatten über allem schwebt.

Was Monsters in meinen Augen das letzte i-Tüpfelchen aufsetzt, ist das Wissen, dass der Film mit einem äußerst geringen Budget realisiert wurde. Ich glaube zwar nicht an die 15.000$  (so wie Gareth Edwards sagt), aber selbst wenn es zehn Mal so viel sein sollte, ist es immer noch wenig. In einem kleinen Making Of zeigt Edwards, dass sie nur mit einer Prosumer-Kamera und einem Team bestehend aus Kameramann, Sound-Typ, Cutter sowie den beiden Hauptdarstellern gearbeitet haben. Mit einem Bus sind sie durch das Land gefahren, haben spontan gedreht und Passanten als Darsteller eingesetzt. Die Effekte erstellte Edwards später in seinem Schlafzimmer. Und das irre an der ganzen Sache ist, es fällt kaum auf. Nur an einer einzigen Stelle haben mir die special effects nicht gefallen.

Monsters gehört damit auf jeden Fall zu einem meiner Highlights des Oldenburger Filmfest 2010. Ich hatte mich sehr auf den Film gefreut und wurde nicht enttäuscht. Das Einzige, was man an dem Film bemängeln könnte wäre, dass er (sollte es denn intendiert sein) zu offensichtlich für das Verhältnis Mexiko/USA steht. Abgesehen davon, sehr gut. Trailer gibts hier.

Bisherige Kritiken:  Smash his Camera, Picco

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Nach zwei eher unbeeindruckenden Filmen, hatte das Internationale Filmfest Oldenburg gestern doch noch eine Überraschung parrt. Und zwar in Form des Gefängnisfilms Picco, der ja bereits in Cannes für Aufsehen gesorgt hat und bei uns am 25. November in Kinos kommt.

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Der Film basiert auf einem Vorfall in der Justizvollzugsanstalt Siegburg, bei dem im November 2006 ein 20 Jähriger Insasse von seinen Zellengenossen über mehrere Stunden gefoltert, vergewaltigt und schließlich getötet wurde.

Protagonist ist der junge Kevin (Picco). Erst vor kurzem ist er in die JVA gekommen und muss deshalb allerlei Schikanen über sich ergehen lassen. Mit drei weiteren Jugendlichen teilt er sich eine Zelle. Im Laufe des Films beginnt er sich an seine neue Umgebung anzupassen und gegen die Erniedrigungen seiner Mithäftlinge zu wehren, bleibt aber dennoch ein schwaches Glied in der Kette, weshalb er bald vor die Wahl gestellt wird entweder Opfer oder Täter zu sein.

Die Inhaltsangabe mag sich zwar erstmal nicht sehr prickelnd anhören, aber hinter ihr verbirgt sich ein Film, der es mit nur wenigen, präzisen Handgriffen schafft einem den Magen umzudrehen. Er spielt auf geringstem Raum, verzichtet ganz auf einen Soundtrack und das Schlimmste spielt sich natürlich wie immer im off ab. Es ist gerade diese minimalistische Herangehensweise, die ihm eine solche Schlagkraft verleiht.

Was mich deshalb an dem Film besonders fasziniert hat ist seine ungewöhnlich starke Emotionalität. Mit geringstem Aufwand schafft es Picco einen in das Geschehen mit einzubeziehen, was letztlich dazu führt, dass man als Zuschauer im letzten Drittel einfach nur noch bettelt, dass jemand den Alarmknopf drückt (nicht wenige Zuschauer haben die Vorstellung übrigens vorzeitig verlassen). Des Weiteren gelingt es HFF-Absolvent Philip Koch erstaunlich gut die Rollendynamik unter den Insassen darzustellen. Jeder kann Opfer und Täter werden, eine andere Wahl gibt es nicht.

Wenn Picco am 25. November in die Kinos wird er hoffentlich eine Diskussion auslösen. Denn wie die Vorfälle in Siegburg und anderen Justizvollzuganstalten zeigen, ist das Dargestellte eben nicht nur Fiktion. Ein abschließendes Fazit möchte ich mir hier aber dennoch verkneifen. Picco ist nach dem ersten Sehen so emotional überwältigend, dass eine ansatzweise rationale, durchdachte Wertung in meinen Augen nicht möglich ist.

Letzte Kritik: Smash his Camera

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Wie bereits vor einiger Zeit angekündigt, werde ich für euch live vom diesjährigen Internationalen Filmfest Oldenburg berichten. Los gings gestern mit der bereits in Sundance ausgezeichneten Doku Smash His Camera.

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Auch wenn man ihn selbst vielleicht nicht kennt, wird jeder einmal ein Foto von Ron Galella gesehen habe. Er ist nämlich der wohl bekannteste Papparazzo der Welt. Ob Audry Hepburn, Sean Penn oder Muhammed Ali, auf dem Höhepunkt seiner Karriere war keiner vor ihm sicher.

Mittlerweile ist Galella 77 Jahre alt, aber immer noch nicht müde die Stars zu fotografieren. Seine Bilder sind begehrte Sammlertücke geworden und werden in Museen rund um die Welt ausgestellt (unter anderem im MomA).

Smash his Camera portraitiert nun diesen Mann, dem Marlon Brando wegen seiner Aufdringlichkeit einmal mehrere Zähne ausschlug (weshalb er sich für das nächste Aufeinandertreffen übrigens gleich mit Footballhelm ausstattete). Anhand von Archivaufnahmen und unzähligen Fotos erzählt Galella selbst von seinen schönsten Bildern und aufregendsten Geschichten. Und das ist überraschend unterhaltsam. Denn Galella ist einfach nur ursympathisch. So beginnt der Film zum Beispiel damit, dass er versucht bei einer Gala ein Bild von Robert Redford zu schießen und ihm seinen Fotoband zu überreichen. Mit fast schon kindlicher Naivität schlurft er (77 Jahre alt) durch die Gänge und fragt sich seinen Weg zu Redford durch, nur um dann schließlich an einem Sicherheitsmann zu scheitern. Aufdringlich wie er ist schafft es dann aber doch noch dem verdutzten Redford den Band in die Hand zu drücken und grinst fröhlich in die Kamera. Einem Mann wie diesem kann man einfach nicht böse sein.

Bei allem Spaß behandelt Smash His Camera aber natürlich auch das Thema Privatsphäre. Immer wieder gibt es kritische Stimmen dazu in wie weit Gelellas Arbeit rechtlich eigentlich geduldet werden kann. Dies gipfelt schließlich in einer hitzigen Auseinandersetzung zwischen den ehemaligen Anwälten von Galella und Jackie Kennedy. Letztere war nämlich von Galella so genervt, dass sie nicht nur die berühmten Worte „smash his camera“ rief, sondern auch gegen ihn vor Gericht zog.

Nach knapp 1 1/2 Stunden endet der Film mit einer fast schon wehmütigen Note. Bei einer weiteren Filmpremiere sehen wir Galella (77 Jahre) dicht gedrängt zwischen unzähligen Fotografen stehen. Im Blitzlichtgewitter merkt man ihm dann sein Alter deutlich an. Gegen die jungen Fotografen kann er sich nicht mehr durchsetzen. Dafür fehlt ihm allem Anschein nach einfach die Kraft. Mit dem Glamour der 60er und 70er Jahre, welches auch Galella selbst in die Welt hinaus getragen hat, hat das Ganze aber eh nichts mehr zu tun.

Smash his Camera ist letztlich eine hervorragende Dokumentation, die vor allem dank des sympathischen Protagonisten zu unterhalten weiß. Eindeutige Sehempfehlung.

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Good News, everyone. Vom 15. bis 19. September findet wieder das Internationale Filmfest Oldenburg statt (auch bekannt als das deutsche Sundance) und iheartpluto.de bzw. filmaddicts.de wird diesmal live für euch vor Ort sein und über Filme und Festival berichten.

Auch wenn das Programm noch nicht ganz steht, gibts schon jetzt ein paar echte Highlights zu vermelden. Neben der Retrospektive zu Radley Metzger (“dem Meister des erotischen Films”) laufen nämlich unter anderem auch der allem Anschein nach ebenso pornöse Room in Rome und der bereits in Cannes mit ungewöhnlich viel Lob überschütte Sci-Fi-Film Monsters (beide hatte ich vor einiger Zeit ja bereits bei Filmaddicts erwähnt). Auch der diesjährige Gewinner des Internationalen Filmfestival Karlovy Vary, The Mosquito Net, ist mit dabei.


(NSFW!)

Den Jury-Vorsitz übernimmt dieses Jahr Deborah Kara Unger (unter anderem bekannt aus Cronenbergs Crash und Finchers The Game). Die Tribute-Reihe widmet sich “der Ikone des New-Hollywood” Timothy Bottoms (Johnny Got a Gun, The Last Picture Show). Da ich The Last Picture Show immer noch nicht gesehen hab, freu ich mich sehr ihn bei diesem Tribute auf der großen Leinwand bestaunen zu dürfen.


(Radley Metzger / NSFW!)

Wie ihr seht, dürfte das Filmfest Oldenburg dieses Jahr echt ein Knüller werden. Ich freu mich drauf und bin gespannt, ob die Filme auch halten können, was sie versprechen. Ich werd euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten und dann ab 15. September auch direkt vom Festival berichten. Vielleicht sieht man ja auch den ein oder anderen von euch vor Ort. Mehr Infos zum Festival gibts auf der offiziellen Seite.